Schützt endlich unsere Kinder!

Ein Beitrag zum Themengebiet Politik, geschrieben am 26. Oktober 2010 von MichaelKF

RTL2, der Trash-Sender Nummer Eins im deutschen Fernsehen, sendet derzeit “Tatort Internet” eine zehnteilige Fernsehserie zum Thema sexuellem Missbrauch von Kindern. In den Medien wird die Sendung größtenteils stark kritisiert. Mal wegen der schnellen Schnitte wie aus einem Actionfilm und der posaunenden Musik, welche direkt von Hans Zimmer kommen könnte. Mal weil das Fernsehen Exekutive spielt. Mal weil den Sendung nur Ängste schürt. Und ein anderes Mal, weil die Persönlichkeitsrechte der vermeintlichen Täter nicht gewahrt werden. Es gibt also mannigfaltige Gründe diese Serie zu kritisieren und ich finde es auch sehr positiv, dass dies so ausgiebig getan wird.
Seltsam finde ich jedoch, dass ich so wenig über die Hintergründe der Sendung lese. Dass sich kaum jemand die Mühe macht, das große Ganze zu sehen. Warum macht überhaupt jemand eine solch fragwürdige Sendung. Und wer ist das?

Die Macher.

Der Verein “Innocence in Danger” in maßgeblich an der Sendung beteiligt. Nun ist das aber nicht einfach irgendein Verein, der sich für den Schutz von Kindern einsetzt. Auffällig ist schließlich, dass andere Vereine sich gegen “Tatort Internet” aussprechen. “Innocence in Danger” spricht sich stark für sogenannte Internetsperren aus, fordert die Vorratsdatenspeicherung und ist Mitglied im europäischen Dachverband “European NGO Alliance for Child Safety Online”, eine von der Europäischen Kommission finanzierte Lobbyvereinigung die sich wie ihre 16 Mitglieder aus ganz Europa für Internetsperren einsetzt.

Schützt endlich unsere Kinder!

Immer wieder ruft es Stephanie zu Guttenberg in die Kamera, ohne dass der Zuschauer erfährt wie und von wem unsere Kinder geschützt werden sollen. An wen richtet sich der Apell?
Frau zu Guttenberg, Ehefrau von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, ist die Präsidentin von “Innocence in Danger”. Sie war bereits wenige Woche zuvor im ZDF bei Peter Hahne zu sehen, wo sie ihre zweifelhaften Thesen vortrug und Peter Hahne nicht etwa der kritische Journalist, sondern scheinbar ihr größter Fan war. Seinen Höhepunkt erreichte das Interview, als Peter Hahne die Internetsperren als die harte und konsequentere Lösung beschrieb und die Politik jetzt nur zu einem “typisch faulen Kompromiss” kam (zu sehen bei YouTube ab Minute 12). Wieso die Internetsperren so umstritten sind, wird mit keiner Silbe erwähnt.
Geschäftsführerin von “Innocence in Danger” ist Julia von Weiler, sie soll die Sicht einer Psychologin “Tatort Internet” vertreten. Das sie letztlich nur die Stimme von “Innocence in Danger” vertritt scheint logisch.

Beate Krafft-Schöning gibt sich im Internet als 13-jähirges Mädchen aus, chattet dort mit volljährigen Männern und stellt diese dann zur Rede vor laufender Kamera bloß. Daran scheint sie einen unbändingen Spaß zu haben. Menschen die vielleicht (!) etwas unrechtmäßigen tun würden, aber ganz sicher ernste Probleme haben, werden mit sinnlosen Fragen nur so überschüttet (Wie fühlen Sie sich dabei? Haben Sie Frau? Haben Sie Kinder? Was sagt Ihr Sohn dazu? Wie fühlen Sie sich dabei?) um sie danach wieder laufen zu lassen. Festhalten kann sie die vermeintlichen Täter natürlich nicht, schließlich ist sie keine Polizistin und selbst wenn sie eine wäre, hätte sie keine Handhabe, weil die vermeintlichen Täter nichts verbotenes getan haben. Und diesen Menschen zu helfen scheint für Beate Krafft-Schöning keine Option zu sein. Pädophile sind für sie wohl grundsätzlich keine Menschen, auch wenn sie nichts Unrechtes getan haben. Die verdienen weder Hilfe, noch Mitleid, noch haben sie Rechte.

Und dann ist da natürlich noch Udo Nagel, ehemaliger Polizeipräsident und Innensenator von Hamburg. Er moderiert die Sendung – eher schlecht als recht, aber das war ja auch nicht anders zu erwarten, so ganz ohne Moderationserfahrung. Aber warum stellt er sich für so eine Sendung zu Verfügung? Udo Nagel war von Ende 2008 bis Mitte 2010 Mitglied der Geschäftsführung der Prevent AG. Medienberichten zu Folge steht der Vorwurf im Raum, dass ein hochrangiger Prevent-Manager, einem Filialleiter der HSH Nordbank kinderpornographische Fotos untergeschoben haben soll um diesen entlassen zu können. Ob dies stimmt und Udo Nagel irgendetwas damit zu tun hat oder davon wusste ist natürlich nicht klar. Dennoch veranschaulicht der Fall, wozu gewisse Gesetze oder Gesetzesentwürfe dienen können. Dazu später mehr.

Auch RTLII – oder besser gesagt der Medienkonzern Bertelsmann, der die Aktienmehrheit der RTL Group besitzt – hat potentiell ein Interesse an Gesetzesänderungen (Internetsperren). Auch dazu später mehr.
Und nicht zu vergessen die BILD. Die BILD rührte von Anfang an die Werbetrommel für “Tatort Internet”, unterstützt die Sendung zu 100% und macht kräftig Druck auf die Politik. Jeder der sich gegen die geplanten Gesetze und/oder “Tatort Internet” ausspricht, wird direkt als Verlierer des Tages gebranndmarkt.

Um welche Gesetzesänderungen geht es? Und Wozu?

Kinderpornographie, Missbrauch und Vergewaltigung, sei es an Kindern oder Erwachsenen ist in Deutschland strafbar. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass es in irgendeinem Land der Welt anders ist. (Wenngleich sicherlich andere Kulturen etwas anderes unter Missbrauch verstehen.) Selbst das was in “Tatort Internet” suggeriert wird, also der Versuch oder die Chat-Konversation ist nach §176 StGB seit 2008 strafbar. Bei “Tatort Internet” chattet oder treffen die betroffenen Personen sich jedoch stets mit volljährigen die nur vorgeben jünger zu sein, daher ist es auch nicht strafbar. Was wollen die Macher also noch? Es geht wie schon erwähnt vor allem um Internetsperren und die Vorratsdatenspeicherung.

Internetsperren sind uneffektiv, da sie leicht umgangen werden können und die Inhalte nach wie vor auf den Servern liegen. Gegen Chaträume, naive Teenager und unverwantwortliche Eltern ist sie gar gänzlich machtlos. Außerdem wird dadurch eine Zensurinfrastruktur eingeführt. Bis diese missbraucht und verschärft wird, dürfte es nicht lange dauern. Schließlich sollen die Lobbyisten der Rechteinhaberindustrie Kinderpornographie deshalb “großartig” finden. Telepolis berichtete, dass sich Christian Engström (Abgeordneter der schwedischen Piratenpartei im EU-Parlament), Rick Falkvinge (Piratenpartei-Gründer) und Oscar Schwartz (Bürgerrechtler) Zugang zu einem von der US-Handelskammer veranstalteten Seminar verschafften wo ein Lobbyist folgendes gesagt haben soll:

Kinderpornografie ist großartig. Sie ist großartig, weil Politiker Kinderpornografie verstehen. Indem wir diese Karte ausspielen, können wir sie zum Handeln und zum Blockieren von Websites bringen. Und wenn sie das erst einmal gemacht haben, dann können wir sie dazu bringen, Filesharing-Sites zu blockieren.

Das dies alles andere als abwegig ist, war bereits in anderen Ländern – in denen es bereits diese Sperren gibt – zu beobachten. Beispielsweise wurde versucht, die Filesharing-Site “The Pirate Bay” auf eine solche Liste zu setzen. Auch in Frankreich, Österreich und Deutschland haben sich Interessenverbände bereits dahingehend geäußert. Und sind erst mal Filesharing-Sites geblockt, kann man ja auch verfassungsfeindliche Schriften wegsperren (heute wird so etwas, genauso wie Kinderpornographie, noch gelöscht!) und so kommt eins ums andere. Irgendwann wird auch die Politik feststellen müssen, wie leicht die Sperren in westlichen Ländern zu umgehen sind und dann werden wir eine sicherere Lösung benötigen – etwa so eine wie in China, wo alles nach Belieben gefiltert wird und man nur noch das Internet zu gesicht bekommt, dass der Regierung gefällt.

Die Vorratsdatenspeicherung macht wenig Sinn, da sich Pädophile – ob kriminell oder nicht – anonymisiert im Internet bewegen dürften. Dank einfacher Schritt-für-Schritt-Anleitungen muss man dazu kein IT-Experte sein.

Doch die Politik – die laut “Innocence in Danger” bisher tatenlos ist – hat noch ganz andere Vorhaben. So wurde diesen Monat beschlossen, eine Richtline zur Bekämpfung von Kindesmissbrauchs und von Kinderpornografie zu erlassen. Im Sinne der Richtlinie ist jede Person unter 18 Jahren ein Kind, eine Unterscheidung zwischen Kindern und Jugendlichen wird also nicht mehr gemacht.  Wenn ein 18-jähriger ein Oben-ohne-Foto von seiner 17-jährigen Freundin auf seinem Handy hat, macht er sich also wegen Besitzes von Kinderpornographie Strafbar? Ferner gelten als Kinderpornographie dann nicht nur alle Filme und Bilder an denen “Kinder” (Personen unter 18 Jahren) beteiligt sind, sondern auch unechte realistische Darstellungen von Personen die gar nicht existieren, sowie von Personen die zwar Volljährig sind, aber das Erscheinungsbild eines Kindes haben. Neben Bildern und Filmen dürfte mit “jeglicher realistischen Darstellung” auch Zeichnungen und Schriften abgedeckt sein.
Nun kann sich jeder selbst überlegen, wie viele Filme, Musiktitel und Gedichte es gibt, in denen gegen die Richtlinie verstoßen würden. Doch das ist ja gar nicht das eigentliche Problem. Interessanter ist, dass eine erwachsene Frau sich nun nicht mehr nackt vor eine Kamera stellen dürfen soll, nur weil sie ein kindliches Erscheinungsbild hat. Doch, was ist überhaupt ein “kindliches Erscheinungsbild”? Ist das jeder der kleiner als 1,60m ist? Jeder mit Körbchengröße A? Jeder mit Zahnspange? Jeder mit Zöpfen? Der Begriff ist die reinste Willkür, ein kindliches Erscheinungsbild kann so ziemlich alles sein. Somit kann ein solches Gesetz wunderbar missbraucht werden (vergleiche Prevent AG/HSH Nordbank-Vorfall wie vorher geschildert).

All diese Gesetze sind in meinen Augen also weniger dem Schutz von Kindern dienlich, sondern vielmehr einzelnen Interessengruppen. Außerdem schränken sie die Freiheit eines jeden Bürgers ein.

Also einfach wegschauen?

Nein, natürlich nicht! Missbrauch und Vergewaltigung von Kindern ist eine Straftat und gehört dementsprechend verfolgt und bestraft. Zunächst sollte man sich aber anschauen wo Kindesmissbrauch passiert. Zu 80%-90% passiert das nämlich im eigenen Umfeld. Die eigenen Eltern, Verwandte, Bekannte, Nachbarn oder wie es zuletzt in den Medien zu hören war, auch in der Kirche. Internet ist also kein Tatort, oder zumindest kein wesentlicher (es gibt ja auch den verbalen Missbrauch, z. B. beim Chatten). Der Tatort ist die Realität. Die Nachbarschaft. Wie man hier am besten vorgeht kann ich nicht sagen. Eine Idee wäre vielleicht mehr Sozialarbeiter, mehr Jugendhilfen, Aufklärung in der Schule und ähnliches. An einem gewissen Punkt muss man sich aber auch klar machen, dass es Verbrechen gibt, seit dem es Menschen gibt. Und man wird nie alle Verbrechen verhindern können, auch nicht im Überwachungs- oder Präventionsstaat.

Darüber hinaus ist natürlich auch die Gefahr aus dem Internet nicht wegzureden. Wie schon erwähnt gibt es auch verbalen Missbrauch und es ist bekannt, dass es in populären Chaträumen von Idioten nur so wimmelt. Diese müssen noch nicht mal 30+ sein, viele von denen, die Kinder dreckig anschreiben, sind bestimmt selbst Jugendliche die sich einen “scherz” erlauben. Was also tun? Chats überwachen? Verbieten? Beides wird nie funktionieren und kann nicht im Sinne des Erfinders sein. Das A und O ist Aufklärung. Aufklärung für die Eltern und Aufklärung für die Kinder. Jedem fünfjährigen wird klar gemacht am Spielplatz nicht mit fremden Leuten mitzugehen, die einem einen Lolly anbieten. Gleiches muss im Internet gelten,  zumal es hier weit aus leichter ist. Mit einem Klick auf das “X” oben rechts hat der Spuk ein Ende. Da muss man noch nicht mal einem großen, alten, übermächtig scheinenden alten Mann ausweichen, wie es im “echten Leben” der Fall ist. Eltern müssen in die Verantwortung genommen werden. Wenn ein 13-jähriges Mädchen mehrere Stunden am Tag chattet, viele SMS bekommt und sich mit älteren Männern trifft und die Eltern davon nichts mitbekommen, dann stimmt da was nicht. Liebe Eltern, schützt endlich unsere Kinder!

Auch Informationen durch das Fernsehen will ich nicht verteufeln. “Tatort Internet” aber, informiert nicht. Klärt nicht auf und ist nicht sachlich. Stattdessen werden Ängste geschürt, Lobbyismus betrieben und der Zuschauer unterhalten. Das ZDF zeigte am 21.10. eine Dokumentation zu dem gleichen Thema – um 0:35 Uhr (!). Da das Thema sehr wohl wichtig ist, sollte man so eine Dokumentation zumindest um 22:00 Uhr zeigen, wenn wenigstens noch ein paar Menschen vor der Flimmerkiste sitzen. Die Doku ist auch in der Mediathek zu sehen, allerdings nur zwischen 22:00 Uhr und 6:00 Uhr. Der Titel “Missbrauch per Mausklick” ist ähnlich schwachsinnig wie bei “Tatort Internet”, lässt sich aber verschmerzen, da es in der Doku ganz gezielt um Kinderpornographie im Internet geht. Gezeigt werden Ermittler der Polizei. Die Doku ist sachlich und schockierend. Gleichzeitig zeigt sie, wie Ermittler vorgehen und was sie dabei erleben. Leider gibt es auch in dieser Sendung die Forderung nach der Vorratsdatenspeicherung. Dennoch ist die Doku auf einem sehr hohen Niveau und verdeutlicht noch Mals wie schlecht “Tatort Internet” gemacht ist.

Wieso wollte “Innocent in Danger” kein solch seriöses Format? Ach ja, die Antwort habe ich ja schon gegeben. Womit sich der Kreis hier schließt… :)

Europas Top-Ligen im Vergleich – Teil I

Ein Beitrag zum Themengebiet Fussball, geschrieben am 30. August 2010 von Joey

Seit Beginn dieser Saison bereichern Namen wie Raul und Michael Ballack die erste deutsche Fußballliga. Und dabei stellen sich viele die Frage, ob die Bundesliga damit zu einem Tummelplatz für alternde Stars geworden ist oder ob diese Spieler Beweis für den Fortschritt der Liga sind.

Im Folgenden sollen nun die großen Ligen Europas und ihre Entwicklung in den letzten zwanzig Jahren im Mittelpunkt stehen. Teil eins dieser mehrteiligen Serie widmet sich Deutschland.

Für die Bewertung einer Liga kann eine Vielzahl von Faktoren herangezogen werden, die sich darüber hinaus auch noch in unterschiedlicher Stärke gegenseitig bedingen.

Ein zentraler Indikator für die Stärke einer Liga ist die vorhandene Infrastruktur. In Deutschland fällt auf, dass gerade im Hinblick auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land viele Stadien um- oder gar neugebaut wurden, was zu einem sehr hohen Niveau des Komforts in den Stadien führte. Und auch die Vereine, deren Arenen nicht bei der WM berücksichtigt wurden, kamen in Zugzwang und modernisierten ihre Spielstätten.

Im Zuge der Eröffnung der modernen Stadien änderte sich ganz entscheidend die Kultur der Fans. Ein Stadionbesuch wurde viel familienfreundlicher als er es noch Mitte der 90er Jahre war, als noch Hooligans und ihre Gewalt potentielle Zuschauer abschreckten. Zwar war die WM nicht der Auslöser dieser Entwicklung, aber mit den erhöhten und dem Stand der Technik angepassten Sicherheitsmaßnahmen wurde dieser Trend erkennbar verstärkt. Mit dem Einzug der Familien in die Stadien stieg zum einen die Zuschauerzahl und zum anderen wurde eine andere Zielgruppe angesprochen, eine mit größeren finanziellen Möglichkeiten. Und auch das Interesse der Wirtschaft stieg damit, sich einerseits als Sponsoren zu beteiligen, andererseits über VIP-Logen Geld in die Vereine zu spülen. Zwar müssen einige Klubs heute noch an den damaligen Investitionen in ihre Stadien knabbern, aber im Durchschnitt überwiegt der positive Effekt der Mehreinnahmen.

Doch nicht nur in diesem Bereich stiegen die Einnahmen, das gesteigerte Interesse am Produkt Bundesliga lockte auch das Fernsehen, dass in den letzten Jahren stets steigende Einkünfte sicherte, sieht man mal von der Leo-Kirch-Pleite ab, die zwar einige Vereine in gewisse Nöte brachte, aber keine dramatischen Konsequenzen wie Pleiten nach sich zog. Ein entscheidender Aspekt des Fernsehvertrages ist die zentrale Vermarktung, die verhindert, dass die wenigen bekannten Vereine einen Großteil der durch das Fernsehen generierten Einnahmen für sich beanspruchen, während kleinere Mannschaften leer ausgehen. Dank der gesicherten ausgeglichenen Verteilung wuchs die finanzielle Schere in der deutschen Bundesliga nicht im gleichen Maße wie in anderen europäischen Ligen.

Man kann sogar behaupten, dass die zentrale Fernsehvermarktung ein Garant für die sportliche Ausgeglichenheit der Liga ist, die wiederrum Spannung und damit ein hohes Zuschauerinteresse nach sich zieht. Das war nicht immer so, noch Mitte der 90er Jahre dominierten mit Dortmund und Bayern zwei Vereine, wohingegen sich heute die Zahl der Meisterschaftskandidaten neben München vergrößert hat.

Die Ausgeglichenheit der Liga ist allerdings ein zweischneidiges Schwert. Einerseits wächst dadurch das Interesse an ihr auch im Ausland, auf der anderen Seite aber gelang es abgesehen von Bayern München keinem deutschen Team, sich langfristig auf europäischer Bühne so zu manifestieren, dass es als einer der europäischen Titelkandidaten angesehen wird. Damit einhergehend war in den letzten 20 Jahren gerade im Vergleich zu Italien, Spanien und England keine Dominanz deutscher Mannschaften festzustellen. Zwar wurden vereinzelt europäische Titel gewonnen, aber meist traten dabei einzelne Teams in den Vordergrund, weniger die ganze Liga.

Vergleichbar damit ist das Abschneiden der Nationalmannschaft bei großen Turnieren. Nach dem Weltmeistertitel 1990 gelang der deutschen Nationalmannschaft die Erringung der Europameisterschaft 1996, dazwischen und auch danach hingegen war das Abschneiden bei den verschiedenen Turnieren teils katastrophal. Erst ab dem Jahre 2006 wurde auch mit einer Änderung des Spielstils das Team wieder in eine sichere Erfolgsspur zurückgeführt, auch wenn diese noch nicht mit Titeln belohnt wurde.

Allerdings lässt sich hinter diesem Verlauf auch eine andere Komponente entdecken, die durchaus aufschlussreich für die Stärke der Liga ist. Vor und nach dem WM-Titel 1990 spielten viele Deutsche bei ausländischen Spitzenvereinen, insbesondere in Italien. Ein solches Interesse im Ausland an deutschen Spielern ist erst in der Gegenwart wieder zu erkennen, als beispielsweise mit Özil und Khedira zwei junge deutsche WM-Entdeckungen zu Real Madrid wechselten. Zwar gab es in den Jahren dazwischen Ausnahmen (Hamann, Ballack), aber nicht dieses breite Interesse wie aktuell.

Der Blick ausländischer Vereine nach Deutschland und auch der Erfolg der Nationalmannschaft hängt stark mit dem Aufbau einer konsequenten Nachwuchsarbeit zu tun. Noch um die Jahrtausendwende herum galt der deutsche Fußball als antiquiert, der europäischen Konkurrenz unterlegen und der Nationalmannschaft fehlte die nachrückende Jugend. Doch es wurde eine Vielzahl von Jugendleistungszentren geschaffen, für die Fußballbundesliga sind sie sogar verpflichtend für den Erhalt der Lizenz. Und nach acht bis zehn Jahre später trägt diese Politik erste Früchte. Spielten damals oft namenlose Ausländer in Deutschland und der eigene Nachwuchs musste sich hinten anstellen, so kommen heute auf einmal Spieler wie Ballack, Raul und van Nistelrooy in die Liga und locken allein mit ihren Namen viele Zuschauer. Trotzdem wird damit aber nicht die Entwicklung des Nachwuchses blockiert, dieser bekommt weiterhin seine Chancen.

Zusammen mit der sportlichen Ausgeglichenheit und der guten finanziellen Lage dank strenger Lizenzregularien ist dieser Zuzug von Spieler mit sehr hohen Qualität ein Zeichen für das aktuell sehr gute Ansehen der deutschen Bundesliga im europäischen Vergleich.

Der Hamburger SV und sein Investor (oder: Wie man den Medien möglichst wenig Nahrung für Unruhe liefert)

Ein Beitrag zum Themengebiet Fussball, National, geschrieben am 19. August 2010 von Joey

Vor gut einem Monat hat der HSV in der Person seines Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung das Investorenmodell „Anstoss³“ präsentiert. Dabei können bis zu drei Investoren Teile von Spielern erwerben und bei einer Veräußerung dieser am Gewinn partizipieren. Der erste Investor ist der Unternehmer Klaus-Michael Kühne, der sich als langjährigen HSV-Anhänger bezeichnet. Natürlich wurde diese Idee von verschiedenen Seiten misstrauisch beäugt, insbesondere viele Anhänger sehen diese Entwicklung sehr kritisch.

Ein wichtiger Bestandteil des Modells ist, dass der Investor anders als bei einer Übernahme des Vereins keinerlei Mitspracherechte hat. In der Theorie. In der Praxis deutete sich vor einer Woche bereits eine andere Interpretation dieses Prinzips durch Klaus-Michael Kühne an.

Und in den letzten Tagen dann platze es aus ihm heraus.

Aus Sicht der Medien nahezu sabbernd aufgenommene Zitate.

Aber aus der Perspektive des HSV ist das eine schlichte Katastrophe. Da wird ein Modell geschaffen, dass Investoren im Hintergrund die Möglichkeit gibt, sich an Spielern zu beteiligen. Und der erste dieser Investoren tritt nach einem Monat an die Presse und analysiert aus seiner Sicht die sportlichen Qualitäten einzelner Spieler. Einmischung ins Tagesgeschäft vom Feinsten.

Wie viel Macht ist zu verantworten?

Ein Beitrag zum Themengebiet Fussball, National, geschrieben am 19. August 2010 von Joey

Als Trainer Felix Magath als amtierender Deutscher Fußballmeister zum FC Schalke 04 kam, wurde er wie ein Heilsbringer begrüßt und man fragte sich, warum er sich dieser Herkulesaufgabe stellte. Von einem dank ihm sportlich sehr erfolgreichen Provinzklub VfL Wolfsburg, unterstützt durch den Weltkonzern VW, wechselte Magath zu einem finanziell nicht auf Rosen gebetteten, in der Liga vor sich hin darbenden Traditionsverein. So zumindest stellte sich vor einem Jahr das Bild dar.

Wagt man den Sprung in die Gegenwart, haben sich zwar die Farbtöne geändert, das Motiv des Bildes ist aber immer noch dasselbe. Trainager Magath steht vor der Herausforderung, eine sportlich sensationelle Saison mit der Sicherung der Champions League Teilnahme bei gleichzeitiger Sanierung eines hart an der Grenze zur Insolvenz agierenden Vereins zu wiederholen. Wieder nur eine Aufgabe für einen absoluten Heilsbringer. Glücklicherweise hat Schalke den Trainer aller Heilsbringer unter Vertrag.

Zumindest zeichneten die Medien bisher jeweils dieses Bild.

Doch aktuell scheint sich die Berichterstattung etwas zu drehen. So wächst gerade im Lager der Fans der Druck auf Magath, insbesondere auf Schalke bei so einem Traditionsverein sind die Anhänger eine nicht zu unterschätzende Einflussgröße.

Denn man kann die Situation auch aus einer anderen Perspektive betrachten. Vor einem Jahr konnte sich Felix Magath sämtliche Freiheiten in den Vertrag schreiben lassen, schließlich kam er ja als Meistermacher nach Gelsenkirchen. Heraus kam der Manager, Trainer und das Mitglied im Vorstand Magath.

Ein Jahr später hat er mit einer Mannschaft, in die viele Nachwuchsspieler integriert wurden, einen nicht zu erwartenden Erfolg errungen und am Ende der Saison viele teure und unbequeme Spieler verkauft bzw. gehen lassen. Mit dem Erreichen der Geldtöpfe der Champions League hat er darüber hinaus dem Verein die Chance gegeben, sich finanziell zumindest ein wenig zu gesunden. Magath hat also das Vertrauen in seine Alleinherrschaft gerechtfertigt und eröffnet dem Verein jetzt eine große Chance. Einerseits sportlich, andererseits finanziell.

Allerdings liegt genau hier der Knackpunkt. Die Vereinsoberen sehen die Möglichkeit, mit den zusätzlichen Einnahmen und dem eingesparten Geld Schulden abzubauen. Magath hingegen denkt verständlicherweise nur an seine sportliche Verantwortung und will im Wissen an die enorm gestiegenen Erwartungen größere Erfolge mit Schalke erringen. Das bedeutet, die freien finanziellen Mittel soweit irgendwie möglich in die Mannschaft zu reinvestieren.

An dieser Stelle kommt wieder die Macht zum Tragen, die sich Magath zu Beginn seiner Arbeit auf Schalke zu sichern lies. Er duldet es nicht, dass ihm reingeredet wird. Er hat die Verantwortung für die sportliche Entwicklung der Mannschaft.

Doch was passiert, wenn seine Pläne nicht funktionieren? Was ist, wenn ein als Führungsspieler verpflichteter Christoph Metzelder nicht an frühere Leistungen anknüpfen kann? Was ist, wenn der spanische Torjäger und Großverdiener Raul den Zenit seiner Karriere schon weit überschritten hat? Und wenn trotz noch zweier teurer Verpflichtungen die Mannschaft sich am Ende der Saison nicht erneut für einen internationalen Wettbewerb qualifiziert hat (was vielen Vereinen in den letzten Jahren so gegangen ist: nach einer super Saison folgte eine mäßige)?

Man kann in Anbetracht des durchaus riskanten Kurses von Felix Magath schon die grundsätzliche Frage stellen, wie viel Macht man in einem so großen Wirtschaftsunternehmen mit einer so großen Verantwortung auch gegenüber vielen Anhängern einem einzigen Mann zugestehen darf. Schließlich ist der von Magath eingeschlagene Weg nicht der einzig mögliche. Der Reviernachbar Borussia Dortmund hat vor einigen Jahren gezeigt, wie man mit einer kaum beachteten Politik der kleinen Schritte durch Sparsamkeit und gute Nachwuchsarbeit einen hochverschuldeten Bundesligaverein wieder auf halbwegs stabile Beine stellen kann. Allerdings würde damit dieser Weg dem persönlichen Anspruchsdenken Magaths wiedersprechen. Stellt hier jemand mit enorm großer Macht eigene Interessen über die des Vereins, für den er verantwortlich ist?

Keine Premiere für Sky

Ein Beitrag zum Themengebiet Fussball, geschrieben am 18. August 2010 von Joey

Sieht man sich das Bild an, das derzeit in den Medien vom Pay-TV-Sender Sky gezeichnet wird, könnte einem als Betriebswissenschaftler Angst und Bange werden. Von Zweifel an der Zahlungsfähigkeit und notwendigen externen Finanzspritzen ist die Rede. Wirft man dazu noch einen Blick in die Quartalsbilanzen der letzten Jahre, wird jedem, der auch nur Grundzüge von BWL in der Schule mitbekommen hat, speiübel. In den letzten vier Jahren zeichnete sich jedes Quartal durch teils schwindelerregend hohen Verlusten aus. Vor über einem Jahr, im Juli 2009, wurde dann versucht, mit der Umbenennung von Premiere zu Sky den mit Negativ-Schlagzeilen belasteten Namen gegen einen neuen, sauberen einzutauschen. Doch nach aktuellem Stand der Dinge kann man diese vor allem kostenintensive Imageänderung als sinnlos bezeichnen, ist bereits wieder von einer möglichen Krise der Finanzierung der Fußball-Bundesliga die Rede.

Betrachtet man gleichzeitig die immer wieder erneuerte Forderung insbesondere von Funktionären des Rekordmeisters Bayern München, in Anbetracht der Einnahmen anderer europäischer Ligen mehr Geld aus den TV-Rechten erlösen zu wollen, so bleibt im Endeffekt nur zu hoffen, dass zumindest das aktuelle Niveau gehalten werden kann. Weil ein erneuter Zusammenbruch des größten Sponsors der Liga, nämlich dem auserwählten Pay-TV-Sender, könnte wie damals bei der Leo-Kirch-Pleite einige Vereine in echt finanzielle Nöte bringen und gleichzeitig das gerade so positiv Bild der deutschen Bundesliga auch sportlich wieder beschädigen.